Krise als Chance


Liebe Mitglieder der Fakultät für Maschinenwesen,
liebe Studierende, Lehrende und Kolleg*innen!

In den letzten Wochen sind viele neue Herausforderungen auf uns alle zugekommen, sowohl privat als auch beruflich.

Wir sollten solidarisch, diszipliniert und flexibel bleiben. Dabei taucht immer wieder die Auffassung auf, man könne „eine Krise auch als Chance begreifen“.

Doch was, wenn es sich für Sie persönlich hauptsächlich nach einer Krise anfühlt? Vielleicht weil Sie eine Mehrfachbelastung, z.B. aus Familie, Studium, Beruf, Finanzen, Gesundheit etc., tragen oder sich schlicht Sorgen um die Zukunft machen? Dann gibt es viele gute Ratschläge, wie sich das Leben in einer Krise gestalten lässt: mit einer klaren Tagesstruktur, Ritualen zum Abschalten, genügend Bewegung aber auch Entspannung und vielem mehr… Mehr zum Thema finden Sie im ZSK-moodle-Kurs „Selbstmanagement in der Krise“, Anmeldung unter zsk@mw.tum.de.

Warum gibt es nun so viele Vorschriften, Ratschläge und Hilfsangebote? Es ist nur allzu menschlich, dass wir in Zeiten von Veränderungen oder gar Krisen verunsichert sind und uns an etwas orientieren wollen. Demotivation und Überforderung sind dabei nicht nur häufig, sondern auch völlig in Ordnung! Sie sind damit also nicht alleine, und müssen auch nicht sofort dagegen vorgehen. Mit Veränderungen und Unsicherheiten umzugehen ist nicht leicht und braucht viel Energie und Zeit. In Krisen wird uns meist bewusst, was uns im Leben Halt gibt oder wir lernen unsere Prioritäten klarer zu benennen. Erlauben Sie sich ruhig, sich dafür Zeit zu nehmen! Denn in lebensverändernden Momenten bleibt uns nichts anderes übrig, als über uns selbst und unser Leben nachzudenken. Zu wissen was uns wichtig ist, ist für den Weg aus einer Krise äußerst hilfreich.

Bewältigungsstrategien für die Unsicherheiten sind so vielfältig, wie wir Menschen auch. Worauf kommt es also im Kern an? Wenn wir in der Erfüllung unserer Bedürfnisse von anderen abhängig sind, ist es wichtig, dass diese Bedürfnisse von anderen wahr- und ernst genommen werden und wir die Möglichkeit bekommen selbstständig wieder handlungsfähig zu werden. Wenn wir also unsere Bedürfnisse kennen und kommunizieren können, haben wir gute Voraussetzungen eine Krise zu meistern. Dies ist deutlich leichter, wenn wir unsere Gedanken mit anderen teilen. Trauen Sie sich also ruhig zu zeigen, dass Ihnen in der Krisensituation auch manches schwerfällt. Sie werden überrascht sein, wie vielen Menschen es ähnlich geht.

Gerade in der digitalen Kommunikation, gehen manche Informationen möglicherweise unter und es hilft, sich im Gegenzug ganz bewusst in die Perspektive der anderen Personen hineinzuversetzen oder gezielt nach dieser zu fragen und aufmerksam zuzuhören. Wertschätzung ist also ein Kernfaktor, um mit Krisen verantwortungsbewusst umgehen zu können.

Dabei stehen derzeit zwei Dinge besonders im Fokus:

  1. Auch wenn vermutlich allen bewusst ist, dass jeder Mensch einen Virus bekommen und weitergeben kann, wurden in den letzten Wochen doch immer wieder rassistische Anschuldigungen laut, was weder zur Sicherheit, noch zur psychischen Gesundheit der Menschen beiträgt.
  2. Es wurde ebenfalls deutlich, wie unterschiedlich mit verschiedenen Arbeitstätigkeiten umgegangen wird. Für die Aufrechterhaltung von Grundversorgung werden manche Berufe zurzeit dringender gebraucht als andere. Für ein bereicherndes Sozialleben, zukunftsträchtige Bildung und andere Selbstverständlichkeiten unseres alltäglichen Lebens sind jedoch alle Beiträge zur Gesellschaft wichtig. Und doch müssen viele dieser Beiträge gerade pausieren oder mehr als bisher schon mit Kinderbetreuung und Haushaltsführung kombiniert werden. Die derzeitige Situation konfrontiert also viele Menschen mit zusätzlichen Belastungen, welche nicht nur unsere Anerkennung, sondern auch andere Formen von Wertschätzung, wie faire Entlohnung, Entlastung durch Hilfsangebote usw., verdient haben.

Der Fokus auf Wertschätzung ist in den letzten Wochen auch in der öffentlichen Diskussion immer öfters aufgetaucht. Möglicherweise ist an der Interpretation von „Krise als Chance“ trotz all dieser Unwägbarkeiten und Veränderungen also doch etwas dran. Das Homeoffice und das digitale Semester bieten, entsprechend gestaltet, Raum für positive Veränderungen und Vorteile. So können beispielsweise die Partizipationsmöglichkeiten, bei Beachtung der Richtlinien zur digitalen Barrierefreiheit (https://www.moodle.tum.de/course/view.php?id=48131), erweitert werden.

Zu guter Letzt lässt sich hoffen, dass eine öffentliche Diskussion um Grundrechte, Arbeitsbedingungen und Solidarität unser soziales Miteinander beflügelt und uns die derzeitige Situation zwar räumlich trennt, jedoch als Menschen näher zusammenrücken lässt. Gerade an unserer Universität ist es in den letzten Wochen auffällig, wie bemüht die Mitglieder sind, die Situation für alle bewältigbar zu gestalten. Trauen Sie sich ruhig in den Dialog einzutreten und unsere Zukunft mitzugestalten. Vergessen Sie also bitte bei all der wunderbaren Solidarität auch die Selbstfürsorge nicht, und geben Sie auf sich und Ihre Bedürfnisse acht!

Wir wünschen Ihnen für die Zukunft viel Kraft & Gesundheit und freuen uns auf eine weiterhin so wertschätzende & engagierte Zusammenarbeit!

Ihre Geschäftsführung der Fakultät für Maschinenwesen zusammen mit dem Gleichstellungsbüro

Sollten Sie zu den angesprochenen Themen noch Fragen oder Anregungen haben, melden Sie sich gerne bei der Referentin für Chancengleichheit Lene Ihrig (lene.ihrig@tum.de).