FitForAge – Bay. Forschungsverbund

"Zukunftsorientierte Produkte und Dienstleistungen für die demographischen Herausforderungen"

Im Rahmen von FitForAge ist der Lehrstuhl fml mit der Bearbeitung des Teilprojekts III-2 "Logistiksysteme und Organisation" aus dem Themenfeld Fit4Work betraut.

Forschungsumfeld und Zielsetzung

Das Hauptaugenmerk des Teilprojekts „Logistiksysteme und Organisation“ lag auf der Entwicklung geeigneter Maßnahmen zur Bewältigung der demographischen Entwicklung im Zuge einer alternden Logistikbelegschaft von Unternehmen. In Hinblick auf die derzeit gut 2,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fokussierte sich das Teilprojekt auf die typischen Tätigkeiten der operativen Logistik. Hierzu zählen alle innerbetrieblich anfallenden logistischen Tätigkeiten vom Transport (z.B. mit dem Stapler) über die Kommissionierung bis hin zur Verpackung von Waren für den Versand.
Ziel des Teilprojekts III-2 war es, den Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit von operativen Logistikmitarbeitern vor dem Hintergrund des demographischen Wandels zu sichern. Hierzu galt es im Rahmen des Projekts die entscheidenden Handlungsfelder zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zur konstruktiven Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsorganisation sowie Mitarbeitermotivation und -qualifizierung zu entwickeln, um einerseits eine „gesunde“ physische und psychische Belastung am Arbeitsplatz zu erzielen und andererseits die Einsatzflexibilität älterer und leistungsgewandelter Mitarbeiter zu erhöhen.

Vorgehensweise & Ergebnisse

In den ersten beiden Projektjahren konnte aufgezeigt werden, welche Veränderungen mit zunehmendem Erwerbsalter in Bezug auf die Tätigkeiten der operativen Logistik von Relevanz sind. Auf Basis betriebsärztlicher Daten beteiligter Unternehmen, Recherchen, Interviews  und einem Laborversuch zur Identifikation von Alterseffekten bei der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung in der Kommissionierung ließen sich wesentliche Ansatzpunkte für die Entwicklung alternsgerechter Maßnahmen ableiten:

  • Tendenziell geringere körperliche Belastbarkeit im höheren Erwerbsalter, insbesondere in Bezug auf das Tätigkeits- und Belastungsspektrum des für die Logistik typischen Hebens und Tragens von Lasten, welches auch in Zusammenhang mit einer Zunahme an körperlichen Einschränkungen sowie Arbeitsunfähigkeitstagen bei Muskel-Skelett-Erkrankungen steht,
  • Abnahme der Sehschärfe bei gleichzeitiger Zunahme der Blendempfindlichkeit sowie Rückgang der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, welche in Kombination mit einer oftmals geringeren motorischen Beweglichkeit auch zu geringeren koordinativen Fähigkeiten führen kann,
  • Schwierigkeiten bei der Kompensation von Zeit- und Leistungsdruck über längere Zeit sowie
  • Zunahme an sozialer Kompetenz, Gewissenhaftigkeit in den Arbeitsprozessen sowie Zugewinn von Erfahrungswissen bei entsprechender Förderung.

Im Laufe der Projektzeit kristallisierten sich auf Basis der Ergebnisse von mehr als 40 in Fit4Work durchgeführten Arbeitsanalysen entscheidende Handlungsfelder für das Teilprojekt III-2 heraus. In den ersten beiden Projektjahren wurde:

  • eine Kombination geeigneter ingenieurs- und verhaltenswissenschaftlicher Arbeitsanalyseverfahren für die ganzheitliche Erfassung physischer und psychischer Belastung zusammengestellt,
  • die Leitmerkmalmethode für den Einsatz zur logistischen Arbeitsanalyse qualifiziert, indem den inhomogenen Prozessen der Logistik sowie dem heterogenen Lastspektrum bei der Ermittlung der körperlichen Belastung von Logistikern Rechnung getragen wird,
  • die entwickelte Berechnungsmethodik für die erweiterte Leitmerkmalmethode zur fortlaufenden Belastungsanalyse im Betrieb exemplarisch an das Warehouse Management System des Versuchslagers am Lehrstuhl fml angebunden, um die Transparenz über die Belastungssituation der Mitarbeiter zu demonstrieren,
  • für den Fall des Eintretens von Belastungsspitzen bzw. des Erreichens der Belastungsgrenze nach dem Risikowert der Leitmerkmalmethode eine belastungsorientierte Job Rotation für das Heben und Tragen von Lasten konzipiert,
  • das Konzept des „Logistik-Fitness-Parcours“ vorgestellt, welches zusätzlich zur Belastungsverteilung beim Heben von Lasten das Ziel verfolgt, eine „gesunde“ physische und psychische Belastung des Mitarbeiters durch Belastungswechsel zu erreichen sowie
  • eine Berechnungsmethodik entwickelt, die eine Lagerplatzbelegung des Artikelspektrums nach ergonomischen Gesichtspunkten durchführt, wodurch sich der minimale Risikowert für das Heben von Lasten bei der Kommissionierung erzielen lässt.

Logistikarbeitsplatz der Zukunft

Die in der dreijährigen Projektlaufzeit erarbeiteten Ergebnisse, Erkenntnisse und entwickelten Lösungsansätze wurden schließlich in einem „Arbeitsplatz der Zukunft“ exemplarisch umgesetzt (Abbildung 2). Neben einer grundsätzlich ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung zeigt der Arbeitsplatz insbesondere auch Elemente einer alternsgerechten Arbeitsgestaltung für die Logistik:

  • Integrierte, laufende Belastungsermittlung für das Heben von Lasten zur Erhöhung der Transparenz über die Belastungssituation des Mitarbeiters,
  • Anzeige der erforderlichen Job Rotation bei Erreichen des Grenzrisikowertes,
  • situative Informationsdarstellung,
  • Belastungswandel von Heben zu Schieben, Einsatz einer Fußbetätigung etc. sowie
  • Lernförderlichkeit in Form einer virtuellen Lernumgebungen mit den vier entwickelten Lernmodulen.

Forschungspartner

  • Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen
  • Lehrstuhl für Sozial- und Organisationspsychologie, Universität Regensburg
  • Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Klinische und Medizinische Psychologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Lehrstuhl für Mustererkennung, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik, Technische Universität München
  • Lehrstuhl Informatik VII: Robotik und Telematik, Universität Würzburg
  • Lehrstuhl für Konstruktionstechnik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Lehrstuhl für Informationstechnik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
  • Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften, Technische Universität München

Projektpartner

  • Bayerischer Unternehmensverband Metall und Elektro e.V. (BayME)
  • BMW Group
  • BMW M GmbH
  • Geis Industrie-Service GmbH
  • MTM-Institut
  • Ray Sono AG
  • trilogIQa - Prozesse. Wissen. Schulung
  • Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e.V. (VBM)

Förderung

As Projekt wurde durch die Bayerische Forschungsstiftung gefördert.

Ansprechpartner

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