LEAN:log – Schlanke Logistik

Ausgangssituation

Die Fahrzeugindustrie steht vor einer Vielzahl an Herausforderungen, denen es gerecht zu werden gilt. Durch die zunehmende Abgabe von Leistungsumfängen seitens der OEM an Zulieferer und Logistikdienstleister findet die Fahrzeugproduktion in einem komplexen, mehrstufigen Wertschöpfungsnetzwerk statt. Die Logistik als Schnittstellenfunktion zwischen Wertschöpfungsstufen und -partnern ist dabei von zunehmender Bedeutung, da sie die Aufgabe der termin- und mengengerechten Versorgung mit Gütern sowie die Koordination und Steuerung der entsprechenden physischen Prozesse zu erfüllen hat.

Zur Realisierung dieses Vorhabens mangelt es heute häufig noch an entsprechenden Konzepten und Methoden.

Die zentrale Aufgabenstellung für das Forschungsprojekt LEAN:log leitete sich aus der beschriebenen Forschungslücke ab und umfasste die Entwicklung von Konzepten und Werkzeugen zur Gestaltung von wertschöpfungsorientierten und ressourceneffizienten, d.h. schlanken Logistikprozessen. Dabei galt es, eine systematische Projekt- und Planungsunterstützung für alle Phasen eines Lean-Logistics-Projektes zur Anwendung in der unternehmerischen Praxis zu erarbeiten.

Die nachhaltige Implementierung schlanker Logistik erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, weswegen der Fokus neben Methoden und Werkzeugen zur Prozessoptimierung ebenso auf die Verankerung der Lean-Philosophie in den Köpfen der Mitarbeiter gerichtet wurde. Außerdem wurden technische sowie organisatorische Möglichkeiten zur Realisierung schlanker Versorgungsketten in Betracht gezogen. Die Grundlage aller Überlegungen war ein gemeinsames Verständnis für das Thema Lean Logistics. Das Forschungsprojekt gliederte sich demzufolge in die aufeinander abgestimmten Handlungsfelder Fundament, Prozesse, Mensch und Technik.

Handlungsfelder

Im Handlungsfeld „Fundament“ wurden die Grundlagen für die drei weiteren Handlungsfelder gelegt. In gemeinsamen Diskussionen mit den Industriepartnern konnte ein einheitliches Verständnis für Lean Logistics geschaffen werden. Die Grundgedanken („Konzentration auf den Wert“, „Orientierung am Wertstrom“ etc.) wurden als Leitlinien formuliert, an denen sich alle im Projekt entwickelten Analyse- und Planungsmethoden orientieren. Um die Auswirkungen „schlanker“ Planung messbar zu machen, wurde ein Kennzahlensystem zur Bewertung der Kundenorientierung und Ressourceneffizienz von Logistikprozessen entwickelt.  Schließlich wurde die Frage beantwortet, wie Unternehmen, die ihre Logistik schlank gestalten wollen, konkret vorgehen sollten. Die notwendigen Schritte, zu beteiligende Personen und unterstützende Methoden und Werkzeuge wurden in einem Phasenmodell strukturiert und dokumentiert. Dieses bildet neben der Funktion als Referenzmodell den Rahmen für alle in den weiteren Handlungsfeldern erarbeiteten Projektergebnisse.

Im zentralen Handlungsfeld „Prozesse“ wurden Methoden und Werkzeuge für die Analyse und Planung von Logistikprozessen unter Berücksichtigung der genannten Lean-Logistics-Leitlinien erarbeitet. In einem ersten Schritt wurde eine Methodik zur ganzheitlichen Aufnahme und Analyse logistischer Prozessketten entwickelt. Dazu wurde die in der Praxis weit verbreitete und anerkannte Wertstromanalyse speziell für die Analyse von Logistikprozessen angepasst. Mit Hilfe der entstandenen logistikorientierten Wertstromanalyse lassen sich logistische Abläufe über standardisierte Logistikfunktionen und spezifische Prozessattribute abbilden. Neben dem physischen Materialfluss werden auch administrative logistische Tätigkeiten sowie die Steuerung aller Prozessschritte berücksichtigt. Die abgebildeten Prozesse können außerdem hinsichtlich notwendiger Funktionen bzw. Verschwendungen im Prozess untersucht werden.

Als Unterstützung für die Planung schlanker Versorgungsprozesse auf Wertstrom-Ebene wurde ein Vorgehen entworfen, welches auf der Prozessaufnahmemethodik aufbaut, und sich an den Leitlinien schlanker Logistik orientiert. Es ermöglicht die systematische Gestaltung von Logistikprozessketten unter Nutzung von Prozess-, Steuerungs- und Technikbausteinen. Die Konfiguration wird durch Entscheidungsregeln unterstützt. Die Methode ist in einem Leitfaden dokumentiert, der u. a. die Nachvollziehbarkeit der Planungsergebnisse sicherstellt. Für die anschließende Feinplanung wurden weiterhin Auslegungsverfahren für die logistischen Prozessbausteine entwickelt. Zum einen werden darin unterschiedliche Realisierungsformen für die jeweiligen Bausteine aufgezeigt, bewertet und eine Entscheidungsunterstützung zur Konzeptauswahl zur Verfügung gestellt. Außerdem umfassen die Verfahren Anleitungen zur Dimensionierung der Bausteine und zur Ermittlung von Kenngrößen.

Im Handlungsfeld „Mensch“ bestand die Grundintention darin, bei Logistikmitarbeitern ein Bewusstsein für schlanke Logistikprozesse zu schaffen und die Grundidee von Lean Logistics auf allen Hierarchieebenen zu verankern. Zunächst wurden verschiedene Zielgruppen definiert. Danach wurden aus den Aufgaben in den einzelnen Phasen von Lean-Logistics-Projekten zielgruppenspezifische Schulungsinhalte abgeleitet. In den Schulungsfokus rückten hierbei neben Führungskräften ebenso Planer sowie operatives Personal.

Ferner wurden unterschiedliche Formen der Wissensvermittlung hinsichtlich der Eignung zur Vermittlung der genannten Inhalte bewertet und zugeordnet. Für wesentliche Schulungsinhalte wurde schließlich ein interaktives Planspiel erarbeitet, welches das optimale Zusammenwirken von Logistik- und Produktionsplanung aufzeigen soll und darüber hinaus zur Vermittlung einer methodischen Vorgehensweise bei der Planung von schlanken Logistikprozessen dient. Die entwickelte Schulungsmaßnahme wurde abschließend bei den Industriepartnern evaluiert.

Im Handlungsfeld „Technik“ wurden konkrete Ansätze und technische Lösungen aufgezeigt, um schlanke Logistikprozessketten in der unternehmerischen Praxis realisieren zu können. Das Hauptaugenmerk lag hierbei auf der Gestaltung schlanker Prozessschnittstellen wie etwa Be- und Entladevorgängen entlang der Wertschöpfungskette, welche in der Regel eine Unterbrechung des Materialflusses zur Folge haben und somit dem Grundgedanken einer schlanken Logistik widersprechen.

In diesem Kontext wurde ein Vorgehensmodell entworfen, anhand dessen sich sowohl physische als auch menschliche sowie informationstechnische Schnittstellen im Prozessverlauf identifizieren und nach Lean-Kriterien bewerten lassen. Das Vorgehen wurde im Rahmen eines KVP-Projektes bei einem Industriepartner validiert. Darüber hinaus wurden allgemeingültige Strategien und Prinzipien definiert, auf deren Basis technische und organisatorische Handlungsempfehlungen zum schlanken Schnittstellendesign abgeleitet wurden. Ziel war es, neben einem Analysewerkzeug gleichermaßen ein breites Portfolio an verschiedensten Optimierungsansätzen für Prozessschnittstellen zu erarbeiten.

Sämtliche im Forschungsprojekt LEAN:log erarbeiteten Werkzeuge, Methoden und Vorgehensmodelle wurden in einem Wiki zusammengeführt, welches den Industriepartnern zur Verfügung steht. Darüber hinaus ist ein Handbuch für Logistikplaner entstanden, worin die Werkzeuge zur Gestaltung schlanker Logistikprozesse in praxistauglicher Form beschrieben werden. Das Handbuch wird Mitte 2013 erscheinen. Ergebnisse aus dem Projekt sowie zahlreiche Anwendungsbeispiele der Industriepartner werden ebenso im Mitte 2013 erscheinenden Fachbuch „Lean Logistics – Methodisches Vorgehen und praktische Anwendung in der Automobilindustrie“ der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Projektpartner

  • Bayern Innovativ GmbH
  • Business Launch Support Grinninger
  • BMW Group
  • Lisa Dräxlmaier GmbH
  • F. X. Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik GmbH & Co KG
  • Schenker Deutschland AG
  • trilogIQa

Förderung

Das Projekt wurde durch die Bayerische Forschungsstiftung gefördert.

Ansprechpartner

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