Ein Leitfaden für inklusive, vielfaltssensible und wertschätzende Sprache

Eine inklusive vielfaltssensible Sprache ist wichtig, weil:

  • Sprache unsere Einschätzung der Realität beeinflusst. Welches Bild entsteht in ihrem Kopf, wenn Sie lesen „drei Ingenieure treffen sich zum Mittagessen“?1
  • statistisch gesehen z.B. zur Fakultät für Maschinenwesen an der TUM ~870 Frauen & ~20 nicht-binäre Personen2 gehören.
  • Sprache aktiv zur Gleichberechtigung beiträgt.3
  • bewusste Sprache Missverständnisse vermeiden kann und so für ein besseres Miteinander sorgt und Fettnäpfchen vermeidet.

Gendergerechte Formulierungen

Neutrale Formulierungen

Wenn möglich ist es empfehlenswert, neutrale Formulierungen zu finden. Neben passiven Formen, wie z.B. Studierende, können auch aktive mit „Mensch“ bzw. „Person“ etc. verwendet werden. Das spart „der/die“ und inkludiert alle Menschen unabhängig davon, welche Eigenschaften/Kategorien diese Personen sonst noch mitbringen.
Einige Möglichkeiten sind im Folgenden aufgeführt.

Die Handlung (aktiv oder passiv) beschreiben

  • Protokolle werden am Ende des Workshops ausgeteilt.
    (statt „Die Studenten/Studentinnen erhalten am Ende des Workshops ein Protokoll.“)
  • Die Anmeldung für den Workshop ist bis zum 15.12.2020 auf TUMonline möglich.
    (statt „Jeder muss sich bis zum 15.12.2020 auf TUM online für den Workshop anmelden.“)
  • Wer promoviert, kann teilnehmen.
    (statt „Doktoranden können teilnehmen.“)

Die Person direkt ansprechen

  • Bitte melden Sie sich bis zum 15.12.20 für die Lehrveranstaltung an.
    (statt „Jeder muss sich bis zum 15.12.2020 für den Workshop anmelden.“)
  • Reichen Sie Ihr Exposé bitte bis zum Ende des Semesters ein.
    (statt „Jeder muss sein Exposé bis zum Ende des Semesters einreichen.“)

Die Organisation in den Vordergrund rücken

  • das Lehrstuhlpersonal, Beschäftigte des Lehrstuhls
    (statt „die Lehrstuhlmitarbeiter/ die Lehrstuhlmitarbeiterinnen“)
  • das Organisationsteam
    (statt „die Organisatoren, die Organisatorinnen“)

Neutrale Pluralformen

  • die Studierenden
    (statt „die Studenten/ die Studentinnen“)
  • die Promovierenden
    (statt „die Promotionsstudenten/ die Promotionsstudentinnen“)
  • die Lehrenden
    (statt „die Dozenten/ die Dozentinnen“)
  • die Interessierten
    (statt „die Interessenten/ die Interessentinnen")

Neutrale Pronomina

  • niemand
    (statt „keiner“)
  • alle die
    (statt „jeder“)

weitere neutrale Formen

  • Lehrkraft, Lehrperson
    (statt „der Dozent/ die Dozentin“)
  • Gruppenleitung
    (statt „der Gruppenleiter/ die Gruppenleiterin“)
  • Hilfskraft
    (statt „der Helfer/ die Helferin“)
  • Kollegium
    (statt „die Kollegen/ die Kolleginnen“)
  • Teilnahmeliste
    (statt „Teilnehmerliste“)

Weitere Tipps finden Sie z.B. unter: https://geschicktgendern.de

Asterisk, Gender-Sternchen oder Doppelpunkt

Gibt es keine geeignete neutrale Formulierung oder sollte diese nicht gefallen, kann auf das sogenannte Gender-Sternchen zurückgegriffen werden.

Beispiel: Workshoptrainer*innen oder Workshoptrainer:innen

Warum das Gender-Sternchen?

Das Sternchen hat seinen Ursprung in der Informatik. Hier wird es oft als Platzhalter für beliebige Endungen verwendet. Da es so die Endung eines Wortes offenhält bzw. alle möglichen Endungen einschließt, werden auch alle Geschlechter jenseits der binären Klassifizierung angesprochen.

Achtung

Das Gender-Sternchen ist zwar die gängigste Variante, will man jedoch digitale Produkte bewusst barrierefrei gestalten, ist : eine gute Option. Der Doppelpunkt wird von den meisten Vorleseprogrammen besser erkannt und von Programmiersprachen seltener missverstanden. Außerdem ist : kein Formatierungs-Sonderzeichen in Chats wie z.B. * _ oder ~.

Emailkommunikation

„Guten Tag Max Mustermann“

ist höflich und erübrigt uns die Zuweisung von Herr/Frau zu Menschen, bei denen wir das nicht wissen. Unser Verständnis männlich/weiblich ist kulturell geprägt und z.B. mit Vornamen verknüpft. Arbeiten wir in interdisziplinären, internationalen Teams haben wir nicht immer das Wissen, um Vornamen korrekt zuzuordnen und riskieren somit eine inkorrekte Ansprache. Genaugenommen können wir das Geschlecht nie wissen, außer die Person hat es uns mitgeteilt (z.B. mit „ich bin der Andrea“, „ich bin Ingenieur“ etc.). In allen anderen Fällen gebietet die Sensibilität für Diskriminierungsprävention es, Menschen einfach als Menschen anzusprechen. Rückschlüsse auf deren Geschlecht oder sonstige gesellschaftliche Kategorien, welche sich in Sprache niederschlagen, werden so vermieden. Die etwas informellere Version ist

„Hallo Tina“.

Und wenn wir eine Gruppe vor uns haben, dann können wir auch

„Sehr geehrtes Lehrstuhl-Team“
„Liebe Studierende“
„Liebe Kolleg*innen“

schreiben. Die Kombination von weiblicher und männlicher Form (z.B. „Sehr geehrte Damen und Herren“) ist insofern kritisch, als dass dann Menschen die sich nicht-binär positionieren oder intersexuell sind ausgeschlossen werden.

Vielfaltssensible Sprache

Eine vielfaltssensible Sprache berücksichtigt nicht nur verschiedene Geschlechter, sondern alle Menschen, unabhängig von deren spezifischen Merkmalen. Hierzu gehören z.B. Menschen mit verschiedenen Hautfarben.

„People/Person of Color“.

Ist beispielsweise ein sehr wertschätzender Ausdruck, inkludiert alle Hautfarben außer „weiß“ und impliziert gleichzeitig, dass Menschen ohne Farbe, also Weiße, gegenüber anderen privilegiert sind. Für eine gelungene vielfaltssensible Sprache kann sich an Eigenbezeichnungen wie dieser für bestimmte Gruppen orientiert werden.

„Schwarze“

ist ebenfalls eine solche Eigenbezeichnung und darf deshalb gerne verwendet werden.
Mit Unterstrichen innerhalb eines Wortes, kann auf Doppeldeutigkeiten hingewiesen werden, da so die Wortbausteine sichtbarer werden.

„Be_Hinderung“

verweist z.B. darauf, dass meist fehlende Infrastruktur oder andere Personen Menschen mit Behinderung daran hindern am Alltag teilzunehmen.

Inhalte inklusiv und vielfältig gestalten

Neben der Sprache an sich sollten auch die Inhalte von schriftlichen Materialien und Webauftritten regelmäßig reflektiert werden. Dazu gehören nicht nur Texte, sondern auch Bildmaterial. Bei dieser Reflexion helfen folgende Fragen:

  • Sind meine Inhalte diskriminierungsfrei?
  • Sind meine Formulierungen durchgehend vielfaltssensibel?
  • Werden vielfältige Personen sichtbar – sprachlich und bildlich?
  • Gibt es stereotypisierende Zuschreibungen oder Klischees?
  • Spiegelt sich (nur) Heteronormativität wider?
  • Wird auf Menschen mit Be_Hinderung eingegangen?

1 https://www.welt.de/kmpkt/article194491179/Generisches-Maskulinum-Warum-es-nicht-ausreicht-Frauen-mitzumeinen.html
2 https://www.equalityhumanrights.com/en/publication-download/technical-note-measuring-gender-identity
3 nachzulesen hier: Klein, Josef (2004): Der Mann als Prototyp des Menschen – immer noch? Empirische Studien zum generischen Maskulinum und zur feminin-maskulinen Paarform. In: Eichhoff-Cyrus, Karin M. (ed.): Adam, Eva und die Sprache. Beiträge zur Geschlechterforschung. Thema Duden Bd. 5. Mannheim, 292-307.