Leichtbau-Seminar

„Zusammenrücken im Leichtbau“ war dieses Jahr die Divise auf dem Leichtbau-Seminar am Lehrstuhl für Produktentwicklung und Leichtbau (LPL) an der TUM. Um Jung und Alt, Industrie und Universität zu verknüpfen, setzte der LPL ein dreischichtiges Programm auf:


Im ersten Teil konnten Doktoranden ihre aktuelle Forschung präsentieren und mit der großen Zuhörerschaft, darunter einige Professoren und Industrieleute, diskutieren. Manuel Biedermann von der Product Development Groupm Produktentwicklungslehrstuhl der ETH Zürich präsentierte beispielsweise über die Verbindung von Additive Manufacturing und Reinforced Composites und zeigte seine Ergebnisse anschaulich an einem Exoskeleton, das Rollstuhlfahrern das Laufen wieder ermöglicht. Wie man Leichtbau mit Getriebetechnik vereint, zeigte Herr Leonhardt vom Lehrstuhl für Maschinenelemente der TUM in seinem Vortrag „massiver Leichtbau“. In diesem stellte er verschiedene Konzepte für Leichtbau-Zahnräder vor und untermauerte das Leichtbau Potential anhand von Versuchen. Der an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg promovierende Michael Franz präsentierte, wie das Potential von Faserverbund-Werkstoffen u.a. durch geeignete Optimierung ausgenutzt werden kann.

Im zweiten Abschnitt stellten drei Professoren verschiedener Universitäten ihre Forschungsergebnisse vor. Herr Prof. Dr. Huber von der Hochschule Landshut zeigte seine Ergebnisse Resultate über die Lebensdauermodellierung von Magnesiumlegierungen. Dabei belegte er anschaulich die Zwillingsbildung und seine Berechnungen mit Coupon-Versuchen, deren Dehnungen mittels Fotogrammmetrie gemessen wurden. Anschließend präsentierte Herr Prof. Dr. Mihailidis von der Aristotle University of Thessaloniki Homogenisierungsverfahren für die Simulation von Lattice Structures. Diese werden üblicherweise innerhalb einer durch 3D-Druck erzeugten Struktur eingefügt und sind häufig filigran und damit schwer zu simulieren. Über eine neue Topologieoptimierungansätze referierte Herr Prof. Ph.D. Saitou, der von der University of Michigan angereist war. Die Multi-Component Topology Optimization (MTO) berücksichtigt die Aufteilung der Struktur in mehrere Komponenten, um z.B. der Raumbegrenzung des 3D-Druckers Rechnung zu tragen. Ebenfalls sind in den Algorithmus verschiedene Herstellungsverfahren mathematisch eingebracht, um Aufwand und Kosten zu verringern.

Zum Schluss präsentierten die drei Firmen, Boeing, BMW und Audi ihre Projekte im Bereich Leichtbau. Herr Dr. Bold von Boeing zeigte auf, wie das Hochschulwissen in der Praxis angewendet werden kann, wie beispielsweise die Simulation von Delaminationen in CFK-Flugzeugteilen, von der die Versuchsdurchführung im Leichtbau-Praktikum an der TUM gelehrt wird. Anschließend referierte Herr Dr. Kerscher von BMW über die Durchführung von zerstörungsfreier Tomographie von gesamten Fahrzeugen, um Schäden in CFK-Bauteilen zu finden. Herr Dr. Mlekusch, der Leiter des Leichtbauzentrums bei Audi ist, stellte die Herausforderungen, die durch elektrifizierte Fahrzeuge z.B. auf die Crashberechnung kommen, vor.

Das anschließende get-together bei Bier und Brezn, bei dem es vor allem um den Austausch von Industrie und Wissenschaftler ging, rundete die Veranstaltung ab. Ein herzliches Dankeschön gilt den Referenten für die äußerst spannenden Vorträge!